Der Kamin ohne Schornstein – High Tech statt Holzscheit

Ein gemütlicher Abend vor dem knisternden Feuer im Kaminofen gehört für viele Menschen zu den schönsten Freizeitbeschäftigungen. In den neueren Eigenheimen ist der Kamin im Wohnzimmer wieder ein beliebter Bestandteil der Einrichtung geworden, denn Heizen mit Holz schont die Umwelt und das Budget des Ofenbesitzers. Bei Mietwohnungen dagegen kann es Probleme mit der Schaffung einer romantischen Atmosphäre durch ein Holzfeuer geben, wenn baurechtliche Vorschriften oder das Veto des Vermieters einen Kaminofen nicht erlauben. In diesen Fällen stellen Kamine ohne Schornsteinanschluss eine ideale Lösung dar. Im Fachhandel sind als Alternativen Elektrokamine (E-Kamine), Ethanol-Kamine (Biokamine) und Gelkamine erhältlich; sie benötigen keinen Rauchabzug und unterliegen auch nicht der Feuerstättenverordnung, weshalb der Kaminkehrer und eine Erlaubnis des Vermieters überflüssig sind. Diese Kaminvarianten produzieren weder Asche noch Ruß, ebenso entfällt die aufwändige Beschaffung und Lagerung von Brennmaterial. Die Kamine werden meist als Bausatz zum Selbstaufbau angeboten, beim Aufstellen fallen keine Maurerarbeiten oder andere bauliche Veränderungen in der Wohnung an. Das Gewicht von Elektrokaminen beträgt je nach Verkleidung 15-30 kg, Ethanol-Kamine sind aufgrund der Bauweise mit Brennkammer und Auffangwanne nur geringfügig schwerer. Der Standort der Kamine kann also schnell z. B. zwischen Wohn- und Schlafzimmer wechseln; bei einem Umzug sind Elektro- und Ethanol-Kamine ebenfalls kein Problem und oft leichter als manches Möbelstück.

Elektro-Kamin

Für den Betrieb eines Elektrokamins ist außer dem Stellplatz nur eine 220-V-Steckdose mit einer Absicherung von 16 Ampere notwendig. Die einfachsten Ausführungen imitieren jedoch nur den Feuereffekt, indem sie Holzscheit-Attrappen aus Plastik von innen beleuchten. Wesentlich realistischer sind Modelle mit Spiegelachsen-Technik, wobei ein fast natürliches Flammenbild im Kamin erscheint. Bei dem elektrisch simulierten Feuer bringt eine Lampe die künstlichen Holzscheite zum Glühen; zusätzlich wird die Rückwand des Elektrokamins durch eine spezielle Spiegelungstechnik angestrahlt, sodass optisch ein 3D-Effekt entsteht. Die perfekte Illusion eines Lagerfeuers liefern E-Kamine, die mit dem System „Mystic Fire“ ausgestattet sind. Dieses Verfahren erzeugt aus destilliertem Wasser mittels Ultraschall-Vernebelung feinsten Wasserdampf, der von unten mit einer Lampe beleuchtet wird; in hellen Bereichen bewirkt dies den Eindruck eines flackernden Feuers, während der Wasserdampf in dunkleren Zonen wie echter Rauch aussieht.

Bioethanol Kamin

Im Gegensatz zu Elektrokaminen weisen Ethanol-Kamine richtige heiße Flammen auf. Das Feuer entsteht durch die Verbrennung von flüssigem Bioethanol in der Brennkammer des Kamins; neben der Wärme werden bei dem geruchlosen Brennvorgang auch Kohlendioxid und Wasser freigesetzt. Den Grundkörper eines Biokamins bildet eine Auffangwanne aus Metall; sie umgibt die Edelstahl-Brennkammer und verhindert gleichzeitig Schäden an den Bodenbelägen durch auslaufendes Ethanol. Vor dem Anzünden des Kamins wird die Brennkammer mit Bioethanol gefüllt; der eigentliche Brenner ist ein Keramikschwamm, der die Flüssigkeit aufsaugt. Bei Sicherheitsbrennern werden andere hochwertige Materialien verwendet, die jedoch die gleiche Funktion erfüllen. Durch diesen besonderen Aufbau mit Schamottsteinen verdunstet die Brennflüssigkeit langsam und gleichmäßig, das entstehende Luft/Ethanol-Gemisch wird dann mit einem Stabfeuerzeug entzündet. Zum Löschen des Feuers verfügt die Brennkammer über einen Schieber, der die Sauerstoffzufuhr unterbindet und die Flammen erstickt.

Gelkamin

Wie bei Biokaminen wird auch in Gelkaminen Bioethanol als Grundstoff für die Verbrennung eingesetzt, allerdings ist hier die Konsistenz des Brennmaterials wesentlich dickflüssiger. Das Brenngel enthält Verdickungsmittel wie Zellulose und weitere Additive, die Gefahr des Auslaufens ist daher deutlich geringer als bei reinem Bioethanol. In der Brenntechnik unterscheiden sich Gelkamine von Ethanol-Kaminen durch die fehlende Brennkammer; das Feuer wird in speziellen Brenndosen erzeugt, die mit dem Spezialbrenngel befüllt werden. Nach 10-15 Brennvorgängen sollte bei Brennbechern aus Weißblech ein Austausch erfolgen, Edelstahlbehälter weisen dagegen eine nahezu unbegrenzte Lebensdauer auf. Gelkamine besitzen keine Schiebervorrichtung zum Löschen der Flammen, weshalb im Fachhandel Speziallöffel zum Ersticken des Feuers erhältlich sind.

Der richtige Standort

Alle Kamine ohne Schornstein benötigen einen ebenen, kippsicheren Standort, am besten geeignet sind Stellflächen an einer Wand oder in einer Nische. Durch das offene Feuer in Bio- und Gelkaminen ist bei diesen Kaminvarianten ein fester Stand besonders wichtig; die meisten Hersteller geben in der Gebrauchsanweisung auch Tipps für Befestigungsmöglichkeiten.

Formen und Designs der Kamine

Die Formen und das Design der Kamine sind noch vielfältiger und individueller als bei Kaminöfen mit Holzfeuer, da kein Kaminanschluss berücksichtigt werden muss. Die Ausführungen reichen von der klassischen rechteckigen Kaminkonsole mit Kachel- oder Marmorverkleidung bis zu futuristischen Designermodellen aus Glas. Als Zubehör für E-Kamine gibt es z. B. unauffällige Lautsprecher, aus denen das Knistern eines Holzfeuers ertönt, während mehrteilige Sätze aus Keramikholz die Brennkammern von Biokaminen in täuschend echte Feuerstellen verwandeln. Im täglichen Gebrauch ist die Handhabung von E-Kaminen am einfachsten; Wartungsarbeiten sind nicht notwendig, lediglich der Wassertank für die Vernebelung muss nachgefüllt werden. Viele Elektrokamine weisen neben dem Flammenspiel eine zuschaltbare Heizfunktion auf, je nach Modell beträgt die Leistung 750-3.000 Watt. Mit verschiedenen Programmen kann die Heizleistung vollautomatisch geregelt werden, besonders bequem geschieht dies über eine Fernbedienung. Die Nutzung des Heizsystems erhöht deutlich die Stromkosten, die mit reinem Flammenbetrieb nur 1,5-2 Cent/Stunde betragen; beim Kauf eines Elektrokamins sollte daher auf die Herstellerangaben bezüglich des Stromverbrauchs geachtet werden.

Hochwertige Ethanol-Kamine verfügen über eine Flammenregulierung, womit die Heizleistung gesteuert werden kann; parallel dazu ändert sich auch der Ethanolverbrauch, der maximal 0,5 l/Stunde betragen sollte. Bei den Betriebskosten liegen Biokamine in der gleichen Größenordnung wie E-Kamine mit Heizung, allerdings sind Ethanol-Kamine in der Handhabung etwas diffiziler.

Sicherheit geht vor

Sie dürfen wegen der Gefahr von Verpuffungen nur in kaltem Zustand nachgefüllt oder entzündet werden, zu Gardinen und anderen leicht brennbaren Einrichtungsgegenständen muss ein ausreichender Sicherheitsabstand gegeben sein. Bei Kindern oder Tieren im Haushalt ist eine Verglasung der Brennkammer sehr zu empfehlen; sinnvolle Zubehörteile sind ebenfalls ein normgerechter Feuerlöscher und ein Gerät zur Überwachung des Kohlendioxidgehaltes in der Raumluft (maximal 5.000 ppm). In Ethanol-Kaminen sollte nur hochreines Bioethanol (Reinheitsgrad 95-98 %) verwendet werden, da dieses ohne Rückstände verbrennt. Das dickflüssige Brenngel ist billiger als reines Ethanol und weist bei geringerer Heizleistung eine längere Brenndauer auf, die enthaltenen Zusatzmittel machen jedoch vor jedem Nachfüllen die Reinigung der Brenndosen notwendig.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten

Für Elektrokamine, Ethanol-Kamine und Gelkamine ist die Bezeichnung Dekokamine sehr zutreffend, denn sie sind kein Ersatz für eine normale Heizungsanlage. Durch den notwendigen Stromanschluss werden E-Kamine überwiegend in Innenräumen eingesetzt, während Biokamine im Außen- und Innenbereich Verwendung finden; mögliche Standorte für Bio- und Gelkamine sind neben der Wohnung auch Gartenpavillon, Terrasse oder das Wochenendhaus im Schrebergarten. Ein bereits vorhandener offener Holzkamin, der nicht mehr befeuert wird, kann durch einen passenden Elektro- oder Biokamineinsatz wieder seine ursprüngliche Funktion erhalten. Elektrokamine können auch zu dekorativen Wandbildern werden, Biokamine dagegen stellen durch ihre Flexibilität und ihr Design extravagante Raumteiler dar. Die Brenndosen für Gelkamine eignen sich ebenfalls für Feuerschalen oder Fackeln zur Illumination des Gartens. Vielen Kaminliebhabern fehlt jedoch bei allen Dekokaminen das spezielle Ritual beim Anzünden und der typische Harzgeruch - wie am Lagerfeuer.